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VON STEFANIE GREINER KÖTHEN /MZ
- "Desweiteren", "Des weiteren" oder "Des Weiteren" -"Ja, was soll denn nun gelten?", fragte sich Prof. Dr. Dr. Rudolf Wachter schon häufig. Der Schweizer ist Sprachwissenschaftler an den Universitäten in Basel und Lausanne sowie Mitglied der Vereinigung "Schweizer Orthographische Konferenz" (SOK).
Anlässlich der Vortragsveranstaltung zum zweiten Jahrestag der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft referierte Wachter am Samstag über ein Thema, das nicht nur Schweizer Sprachwissenschaftlern Kopfzerbrechen bereitet. In seinem Vortrag "Wie geht es weiter mit der Rechtschreibreform in der Schweiz?" ging er auch auf Ungereimtheiten in der deutschen Orthographie ein.
"Die verschiedenen Schreibweisen in der deutschen Sprache sind problematisch." Rudolf Wachter Sprachwissenschaftler
Lobend wies er auf die 20. Auflage des Dudens aus dem Jahr 1991, den so genannten "Einheitsduden", hin. Die fünf Jahre später erschienene Neuauflage hingegen kritisierte Wachter als "Sündenfallduden". "Das neue Regelwerk enthielt viele Inkonsequenzen", äußerte sich der Sprachwissenschaftler über den so genannten "Reformduden". Die nachfolgenden Auflagen hätten die entstandenen Widersprüche nicht behoben, sondern verschlimmert.
Prof. Rudolf Wachter sprach von einem "tiefen Fall des Dudens nach 1996". Vor allem die Regelungen zur Getrennt- und Zusammenschreibung seien nicht konsequent genug. "Die verschiedenen Schreibweisen in der deutschen Sprache sind problematisch", beklagte der Schweizer die möglichen Varianten. Während die Schreibweise von "des Weiteren" in der aktuellen Ausgabe von 2006 klar geregelt ist, gibt es zahlreiche weiterhin bestehende Uneinigkeiten. So ist beispielsweise sowohl "auf weiteres" als auch "auf Weiteres" möglich. Letzteres ist zwar die empfohlene Schreibweise der Dudenredaktion, aber kein Muss. Der Weg zu einer einheitlichen Schreibweise konnte also noch immer nicht geebnet werden. "Die Variantenflut ist eine Sackgasse", bemerkte Wachter.
Dieses Problem sei allerdings nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz präsent. Um einen begehbaren Pfad durch das Rechtschreibwirrwarr zu schlagen, erarbeiten die Mitglieder der SOK durchdachte Empfehlungen. "Wir verstehen unsere Arbeit als Rettungsaktion", erklärte Rudolf Wachter.
Auf der Homepage der Konferenz können Interessierte die erarbeiteten Empfehlungen übrigens nachlesen. So werden unter anderem die Schreibweisen "auf weiteres" statt "auf Weiteres", "morgen früh" statt "morgen Früh" und "achtgeben" statt "Acht geben" bevorzugt. "Unsere Empfehlungen sind zwar primär auf die Schweiz ausgerichtet, lassen sich aber auch in anderen deutschsprachigen Ländern anwenden", bemerkte der Referent dazu. Mit dem Vorschlag, eine "Deutsche Orthographische Konferenz" zu gründen, richtete sich Wachter an die Mitglieder der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft. Er versicherte tatkräftige Unterstützung seitens der Schweizer Kollegen. "Wir von der SOK beteiligten uns als Fensterputzer der deutschen Sprache", brachte er bildhaft zum Ausdruck.
Die SOK wurde von Sprachwissenschaftlern sowie Vertretern aus Presse und Verlagswesen ins Leben gerufen. Ziel der Vereinigung ist es, einheitliche und nachvollziehbare Schreibweisen in Presse und Literatur zu etablieren. Eine konsequente Verbesserung der missglückten Rechtschreibreform werde anstrebt.
"Unsere Empfehlungen werden vor allem von den Printmedien begrüßt", erzählte Wachter seinen Zuhörern. Die Arbeit der SOK-Mitglieder wird unter anderem von der "Konferenz der Chefredaktoren" und vom "Verband Schweizer Presse" unterstützt.
Zahlreiche Informationen über die Arbeit der Schweizer Orthographischen Konferenz gibt es im Internet auf der Seite www.sok.ch.
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